Freitag, 26. März 2010
Brief aus Berlin 149
Kindesmissbrauch entschlossen bekämpfen
Wie ein dunkler Schatten legt sich in diesen Tagen der Missbrauchsskandal über unser Land. Dabei ist es noch das geringste Übel, dass renommierte Institutionen wie die Odenwald-Schule oder das Canisius-Kolleg nun mit einem Stigma leben müssen. Vor allem für die zahlreichen Opfer beginnt der Alptraum von vorne. Sie erleiden die schändlichen Taten durch die öffentliche Debatte ein zweites Mal. Den Opfern schulden wir allen Beistand, eine effektive Strafverfolgung und die Arbeit an nachhaltigen Präventionsmaßnahmen.
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Freitag, 19. März 2010
Brief aus Berlin 148
Vor 20 Jahren: Erinnerung an erste freie Volkskammerwahl
Über die Volkskammer ist längst Gras gewachsen. Dort wo einst der Palast der Republik stand, findet man heute eine Rasenfläche, auf der bis vor kurzem zahlreiche Schneemänner vor sich hin schmolzen. Damit die Erinnerung an die erste freie Wahl zur Deutschen Volkskammer nicht schmilzt, hat der Deutsche Bundestag in dieser Woche der ersten freien Wahlen in der DDR vor 20 Jahren gedacht. Diese Wahlen symbolisieren den endgültigen Sieg der friedlichen Revolution vom Herbst 1989 und ermöglichten die deutsche Wiedervereinigung.
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Freitag, 5. März 2010
Brief aus Berlin 147
Urteil zur Datenspeicherung: Kein Grund zur Freude
Das Votum der Karlsruher Richter war zwar knapp. Aber die Entscheidung eindeutig. Die Vorschriften zur Speicherung von Daten im Gesetz zur Neuregelung der Telekommunikationsüberwachung sind in jetziger Form nicht mit dem Grundgesetz vereinbar. Bei den Klägern knallten die Korken. Aus meiner Sicht aber ist das Urteil des Bundesverfassungsgerichts kein Grund zu uneingeschränkter Freude. Jetzt muss dringend nachgebessert werden. Sonst setzen wir die Sicherheit in Deutschland unnötig aufs Spiel.
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Freitag, 26. Februar 2010
Brief aus Berlin 146
Für eine sachliche Sozialstaatsdebatte
Nach den Gerichtsurteilen zur Zusammenlegung von Arbeitslosenhilfe und Sozialhilfe sowie zur Berechnung der Regelsätze der sog. „Hartz IV-Leistungen“ ist in Deutschland eine Debatte über den Sozialstaat ausgebrochen. Nun sind Debatten an sich keinesfalls etwas schlechtes. Sie zeugen von einer engagierten politischen Öffentlichkeit und einer lebhaften Demokratie. Mittlerweile aber scheint mir die Diskussion doch durch allzu schrille Zwischenrufe vergiftet zu sein. So ist eine sachliche Diskussion kaum mehr möglich. Das ist bedauerlich.
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Mittwoch, 10. Februar 2010
Brief aus Berlin 145
Erwerb der Steuersünder-CD ist rechtens
In Deutschland kommt es zu einem Anschlag. Später wird bekannt, dass das Komplott hätte verhindert werden können. Deutschen Behörden wurde im Vorfeld eine CD mit Informationen über die Attentäter angeboten. Doch weil die Daten unrechtmäßig erlangt wurden, entschieden sich die Behörden gegen einen Ankauf. Der Aufschrei der Empörung wäre groß. Nun sind Steuerhinterzieher keine Bombenleger, die Menschenleben in Kauf nehmen. Aber auch sie schaden der Allgemeinheit erheblich. Der Staat hat die Pflicht, diese Straftäter entschieden zu verfolgen.
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Freitag, 29. Januar 2010
Mein Brief aus Berlin 144
Übergabe in Verantwortung
Wer in dieser Woche oft im Regierungsviertel unterwegs war, musste gut zu Fuß sein. Überall Absperrungen und Umleitungen. Vor meinem Bürogebäude hatte die Bundespolizei gar ein grünes Lazarettzelt aufgebaut. Das alles hatte seinen Grund: Neben Shimon Peres war auch der afghanische Präsident Hamid Karzai zu Gast in Berlin. Gerade Karzai dürfte den Sicherheitsaufwand aus seiner Heimat kennen. Trotz aller Fortschritte ist Normalität in Afghanistan noch die Ausnahme. Damit sich das ändert, hat die Bundesregierung eine neue Strategie entworfen.
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Freitag, 22. Januar 2010
Brief aus Berlin 143
Mit Wachstum aus der Krise
Natürlich wird in der Haushaltswoche traditionell nicht nur über die Etats der Ministerien diskutiert. Und natürlich nutzt die Opposition die Gunst der Stunde zur Generalabrechnung. Gepunktet hat sie nicht. Angesichts der Katastrophe in Haiti, deren Bilder ich während der Debatte noch im Kopf hatte, wirkte die Brachialrhetorik der Opposition nur noch anmaßend. Von einem „Totalversagen“ schwatzte die SPD. Für die Linken ist Deutschland eine Skandalrepublik, die ständig am Abgrund steht. Vielleicht stünde uns allen etwas mehr Demut gut zu Gesicht.
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Freitag, 18. Dezember 2009
Brief aus Berlin 142
Freund und Helfer in Not
Weihnachten ist die Zeit für Besinnung. Oft denken wir an jene Menschen, denen es nicht so gut geht. Das dazu auch unsere Ordnungshüter gehören könnten, mag auf den ersten Blick überraschend sein. Tatsache ist, dass Polizisten immer öfter sinnloser Gewalt ausgesetzt sind. Die einzelnen Attacken werden immer brutaler. Die Regierungskoalition prüft nun, wie man Polizisten und andere Vollstreckungsbeamte strafrechtlich besser schützen kann. Ihnen, liebe Leser, wünsche ich jedenfalls eine friedliche Weihnachtszeit und einen guten Rutsch ins neue Jahr.
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Freitag, 4. Dezember 2009
Brief aus Berlin 141
Kein Tag wie jeder andere
Weihnachten steht vor der Tür. Für viele von uns beginnt damit der Stress, obwohl die Adventszeit eigentlich der Besinnung dienen soll: Wo bekomme ich die Geschenke für den Sohn und die Tochter? Und wo gibt es die Überraschung für den/die Liebsten? Fragen über Fragen. Zumindest die Berliner können sich dieses Jahr entspannen. Sie können alle Adventssonntage zum Shoppen nutzen. Noch. Denn das Bundesverfassungsgericht hat die Berliner Ausnahmeregelung kassiert. Ich teile den Richterspruch aus Karlsruhe, denn der Sonntagsschutz darf nicht verloren gehen.
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Freitag, 27. November 2009
Brief aus Berlin 140
Letzte Ausfahrt Kopenhagen
Aus meinem Bürofenster schaue ich direkt auf die britische Botschaft. Seit kurzem prangt über dem Haupteingang ein Plakat. „Yes we must“ steht drauf. Großbritannien wirbt dort für ein „ehrgeiziges, effektives und faires Klimaschutzabkommen“ auf der Konferenz von Kopenhagen. Ich kann unseren britischen Freunden nur beipflichten: Ja, wir müssen! Wir müssen ein Nachfolgeabkommen zum Kyoto-Protokoll schaffen, dass international bindende Verpflichtungen zur Verminderung des CO2-Ausstosses festzurrt. Anders ist unser Klima langfristig nicht zu retten.
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