Presse und Texte

Donnerstag, 27. Mai 2010

Zurück zur Mark?


Wird die Gegenwart ungemütlich, sehnt man sich nach der Vergangenheit. Das gilt auch für die derzeitige Krise des Euro. Während unsere Gemeinschaftswährung unter Druck geraten ist, wünscht sich eine Mehrheit der Deutschen laut Umfragen die D-Mark zurück.
Der Euro ist im Herz der Menschen nie richtig angekommen. Da fällt es umso leichter, ihn jetzt zum Abschuss freizugeben. Aber das wäre fatal.

Auch ich habe beste Erinnerungen an die Mark. Mit ihr habe ich mein erstes Auto – einen dunkellila-metallic farbenen VW-Käfer – gekauft, die Miete meiner Studentenbude bezahlt und das erste Kinderbuch für meine Tochter.

Trotzdem bin ich heute für unsere gemeinsame Währung dankbar. Und das hat nicht nur mit der Tatsache zu tun,  dass wir vor dem Urlaub nicht mehr zeitraubend in Lira, Drachmen und Co. umtauschen müssen. Gerade unsere mittelständische Wirtschaft profitiert deutlich vom Wegfall der Wechselkursschwankungen und die Inflation war noch nie so niedrig wie seit der Einführung des Euro.

Ein Zusammenbruch des Euro hingegen hätte unabsehbare Folgen. Der Finanzmarkt würde wohl  massiv in die neue, alte Mark investieren, deren Kurs in die Höhe schießen. "Made in Germany" wäre dann unbezahlbar. Für den Exportweltmeister Deutschland stünden abertausende Arbeitsplätze auf dem Spiel. Freilich ist das nur ein Szenario. Aber es verdeutlicht den Wert unserer gemeinsamen Währung.

Deswegen müssen wir das Vertrauen in den Euro wieder herstellen. Angesichts der beschleunigten Krisendynamik besteht kurzfristig keine Alternative zum Euro-Rettungsschirm. So soll die Zahlungsunfähigkeit von Mitgliedstaaten verhindert werden. Der Markt brauchte ein Signal, dass die Euro-Länder auch in Zukunft ihre Verbindlichkeiten werden bedienen können.

Mit dem Schirm haben wir uns Zeit gekauft. Jetzt führt kein Weg vorbei an dem, was unsere Bundeskanzlerin in der EU zu recht fordert und als neue Stabilitätskultur bezeichnet. Die Kriterien des Euro-Stabilitätspakts müssen mehr denn je strikt eingehalten, vielleicht verschärft und Verstöße in jedem Fall strikt sanktioniert werden. Nicht zuletzt wegen der im Grundgesetz verankerten Schuldenbremse kann Deutschland als Vorbild vorneweg gehen.

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