Für ein neues Bild vom Alter

Hätte ich vor 100 Jahren gelebt, müsste ich mir größte Sorgen machen. Ich bin jetzt 51 Jahre alt. Damit habe ich die Lebenserwartung für Männer im Deutschen Reich anno 1912 bereits um sechs Jahre überschritten. Kommt heute ein Junge auf die Welt, kann er damit rechnen, 81 Jahre alt zu werden.

Diese rapide gestiegene Lebenserwartung ist ein Kennzeichen unserer alternden Gesellschaft, von der mir zu oft mit einem negativen Unterton gesprochen wird. 
Viele unserer heutigen und künftigen Senioren werden die Chance haben, ihre zweite Lebenshälfte bei guter Gesundheit aktiv zu gestalten. Damit können sie ihre reichhaltige Lebenserfahrung in die Gesellschaft einbringen. Nicht zuletzt angesichts des Fachkräftemangels werden diese Potentiale immer wichtiger. 

Das setzt freilich eine Gesellschaft voraus, die ihren Älteren auch die Möglichkeit des Einbringens gewährt. Hier spielen gesellschaftliche Altersbilder eine zentrale Rolle.
Welche Rollen älteren Menschen offenstehen und was von ihnen erwartet wird, hängt von unseren Vorstellungen des Alters ab. Altersbilder haben auch Einfluss darauf, was jüngere Menschen für ihr eigenes Alter erwarten und was ältere Menschen sich zutrauen und erreichen wollen.

Aus meiner Sicht ist unser Bild vom Alter widersprüchlich und oft zu negativ. Obwohl wir immer älter werden und zunehmend bis ins Alter fit bleiben, bedeutet Alter für uns oft Gebrechlichkeit und Krankheit.

Mit dem Koalitionsantrag „Altersbilder positiv fortentwickeln – Potenziale des Alters nutzen“ wollen wir einen Mentalitätswechsel vorantreiben. Unsere Kernbotschaft lautet: Ältere, ihr Wissen, ihr Können und ihre Erfahrung sind wertvoll und nützlich!
Wir fordern die Bundesregierung auf, die mit dem demografischen Wandel verbundenen Veränderungen und damit die gesellschaftlichen Strukturen dahingehend zu hinterfragen, von welchen Altersbildern sie sich leiten lassen.

Von großer Bedeutung sind dabei die Medien. Sie haben entscheidenden Anteil an der Ausprägung von Altersbildern und können Einstellungen der Gesellschaft beeinflussen. Wir appellieren an die Medien, mit der Auswahl bestimmter Aspekte des Alters und des Älterwerdens Altersbilder zu vermitteln, die der Realität und der Vielfalt des Alterns und des Alters tatsächlich entsprechen.

Auf den Prüfstand müssen aus unserer Sicht auch die bestehenden Altersgrenzen in allen Lebensbereichen. Wir müssen z.B. klären, ob der Eintritt in den Ruhestand flexibler gestaltet werden kann. Viele ältere Menschen wünschen sich das. Wichtig ist schließlich auch, dass auch in der Zivilgesellschaft die Potenziale der älteren Generation besser genutzt werden. Die Infrastruktur für bürgerschaftliches Engagement muss weiter ausgebaut werden.

Herzlichst, Ihr M. Grosse-Brömer (MdB)




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